Einleitung

In Rehringhausen besteht seit 85 Jahren der leistungsfähige Gesangverein "Cäcilia". Schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts bestand auch der Wunsch, eine eigene Musikkapelle zu besitzen. Die treibenden Kräfte waren diejenigen Männer, die als aktive Musiker im benachbarten Musikverein Kleusheim mitwirkten.

Als sich lange Zeit vor dem späteren Gründungsdatum beispielsweise in Brachthausen ein Musikverein auflöste, waren es Rehringhauser, allen voran Adolf Ohm, die die Instrumente erwerben wollten. Leider kam man aber zu spät; die Instrumente waren schon verkauft. Die Anschaffung neuer Instrumente scheiterte damals an den hohen Kosten.

Theo Hengstebeck und Adolf Ohm

Jahrzehnte gingen ins Land, aber der Wunsch nach einer eigenen Kapelle blieb.

Im Jahre 1950 sollte endlich der Wunsch Erfüllung finden. Durch den Tod des im Dorfe sehr beliebten Jagdpächters Fritz Söhn wurde die Jagd frei und sollte durch eine öffentliche Ausschreibung neu vergeben werden. Ein Freund des Verstorbenen, Herr Werner Wylach, wollte gern die ihm gut bekannte Jagd pachten. Zwei Rehringhauser Waldarbeiter, Theodor Hengstebeck und Karl Kubiak, hielten nun die Stunde für gekommen, eine eigene Musikkapelle zu gründen. Sie wandten sich an den Jagdvorsteher und Bürgermeister Philipp Brüggemann, Werner Wylach doch zu bitten, im Falle der Übertragung der Jagdrechte, Instrumente zur Errichtung einer Blaskapelle zur Verfügung zu stellen. Durch einstimmigen Beschluss der Jagdgenossenschaft des Dorfes wurde Herrn Wylach die Jagdnutzung für neun Jahre zugesprochen. In großzügiger Weise schenkte der neue Pächter aus Freude über diesen einstimmigen Beschluss den Grundbesitzern Instrumente zur Errichtung einer Musikkapelle.

Die Freude war groß und Bürgermeister Brüggemann schlug Herrn Wylach vor, den ehemaligen Militärmusiker und langjährigen Dirigenten des Männergesangvereines "Cäcilia", Adolf Ohm, zu bitten, das Amt des Kapellmeisters zu übernehmen. Werner Wylach und Adolf Ohm beratschlagten sodann miteinander und schritten zum Kauf der erforderlichen Instrumente, die Teils von der Fa. Mollenhauer und Söhne, teils von der – mittlerweile leider nicht mehr bestehenden – Bergneustädter Firma Karl Heinz Dörre geliefert wurden. Nach Abschluss des Jagdpachtvertrages stand der Übernahme der Instrumente durch den zu gründenden Musikverein nichts mehr im Wege.

Karl KubiakMan schritt daher am 8. Juli 1950 zur Gründung des Vereins. Die Räume der Wirtschaft Nies waren von jungen und alten Männern des Dorfes voll besetzt. In der Gründungsversammlung, die von Bürgermeister Brüggemann geleitet wurde, kam man zur Gründung des Vereins und zur Wahl des Vorstandes. Einstimmig wurde in dieser Versammlung Georg Püttmann als erster Vorsitzender, der Lehrer des Dorfes Franz Ostermann als erster Schriftführer und Paul Ohm, späterer Mitinhaber der Fa. Ohm & Häner in Dahl, als erster Kassierer gewählt. Außerdem traten in der Gründungsversammlung folgende Männer dem Verein als sog. "Gründungsmitglieder" bei: Georg Püttmann (Posaune), Werner Vitt (Tenorhorn), Karl Josef Ohm (Trompete), Hubert Kranz (Alt-horn), Karl Kubiak (Tenorhorn), Josef Kubiak (B-Klarinette), Robert Ohm (Trompete), Albert Kleine (Trompete), Paul Ohm (Flügelhorn), Ludwig Hoberg (Tuba), Josef Hammeke (Althorn), Josef Schnüttgen (Tuba in Es), Alfons Ohm (Bariton), Klemens Ohm (Kleine Trommel), Johannes Ohm (Klarinette), Paul Nies (Posaune), Hubert Vitt (Es-Klarinette), Willi Nies (Große Trommel), Rudi Vitt (Flügelhorn), Philipp Brüggemann, Theodor Hengstebeck, Bruno Gerhard, Willi Hoberg, Franz Ostermann, Theodor Kleine, Josef Kleine, Josef Dettmer, Hubert Dettmer, Heinrich Schnüttgen, Albert Kubiak, Josef Püttmann, Adolf Ohm, Eduard Nies, Aloys Schnüttgen, Alfred Nies, Johann Zeppenfeld, Josef Vitt sowie Franz Nies.

In dieser Versammlung wurde auch die Besetzung und Verteilung der Instrumente schon so festgelegt, wie oben den Gründungsmitgliedern zugeordnet, wobei zusätzlich für eine B-Klarinette Johannes Hoberg vorgesehen war. Als Kapellmeister wurde Adolf Ohm einstimmig gewählt.

Von den insgesamt 20 Musikinstrumenten, die damals vorhanden waren, findet sich unter der Ziffer 18 des Protokolls über die damalige Versammlung für das Instrument Tuba der Name Ludwig Hoberg. Falls sich der Leser dieses Buches die heutige Kapelle einmal genau anschaut, wird er nach wie vor auf diesem Instrument den selben Musikkameraden finden, wie seinerzeit im Gründungsstadium. Ludwig Hoberg spielt nunmehr bereits seit 50 Jahren ununterbrochen im Musikverein die Tuba und ist ein Beispiel dafür, wie Treue und Liebe zur Musik, zum Verein und auch zum Dorf gelebt werden kann.

Neben den 38 Gründungsmitgliedern sind die Herren Werner Wylach, Theo Hengstebeck und Karl Kubiak als die maßgeblichen Männer bei der Gründung des Vereins anzusehen und verdienen insoweit besondere Würdigung.

Der Verein war nunmehr gegründet, die Instrumente besetzt und die Proben konnten beginnen. Zu den ersten Proben heißt es in den Niederschriften des Vereins wörtlich wie folgt: "Die Übungsstunden werden in der hiesigen Schule abgehalten. Die Genehmigung wurde auf Antrag vom 21. August unter dem 24. August durch die Abt. III des Amtes Olpe erteilt."

Die Auswahl an musikalisch begabten Personen ist in so kleinen Orten wie in Rehringhausen nicht sonderlich groß, zumal es hier auch an musikalischer TraditionVor dem Vereinslokal 1950       (l. o. unser Ludwig) fehlte. Auch ist in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass jedes aktive Mitglied sein eigenes Instrument selbst erlernen musste, ohne dass auf die Unterstützung und den Unterricht durch fachlich ausgebildete Musiker oder gar Musiklehrer Rückgriff genommen werden konnte, weil dazu das Geld und die Gelegenheit fehlte. Aus heutiger Sicht kann man den ersten aktiven Musikern nicht genügend Hochachtung zollen, dass sie es dennoch mit viel Geduld, Begeisterung und Leidenschaft geschafft haben, im Laufe der Jahre eine musikalische Einheit zu formen und einen Klangkörper zu bilden, mit dem dann nicht nur im Dorf sondern auch über die Grenzen des Dorfes hinaus den Zuhörern Musik der verschiedensten Couleur dargeboten werden konnte. Bis es jedoch soweit war, lag noch ein langer und steiniger Weg vor den ersten aktiven Mitgliedern der Kapelle.

Jeder Verein braucht ein Statut bzw. eine Satzung in der er sich Ziel und Zweck vorgibt. Das vom Vorstand ausgearbeitete Statut, wurde in der außerordentlichen Versammlung am 27. August 1950 beschlossen. In dessen § 1 wurde der Name des Vereins mit "Bläserchor Rehringhausen" festgelegt. Ziel und Zweck des Vereins wurde in § 2 verankert. Hierzu heißt es in den handschriftlichen Niederschriften des Vereins wörtlich wie folgt: "Zweck des Vereins ist die Pflege geistlicher und weltlicher Musik zur Förderung unseres dörflichen Gemeinschaftslebens. Mittelpunkt unseres Dorflebens ist unser Kirchlein auf stolzer Bergeshöhe, also unser religiöses Leben im Laufe des Kirchenjahres. Umgeben ist unser Kirchlein von Bergen und Tälern, Wäldern, Wiesen und Feldern, also von unserer täglichen Arbeit in Wald und Tal, in Wiese und Feld innerhalb des Jahresablaufes. Dieses geistliche wie weltliche Leben, das seine Höhepunkte in Fest- und Feiertagen des Kirchenjahres sowie im Verlaufe des bürgerlichen Jahres hat, will der Bläserchor in Gemeinschaft mit den schon bestehenden kirchlichen und weltlichen Vereinen, insbesondere aber mit dem Männergesangverein "Cäcilia", durch Musik ausgestalten und fördern." Auch diese Definition des Vereinszweckes durch die Gründer belegt in beeindruckender Art und Weise, wie von Beginn an die unmittelbare Verbindung des Vereins zum Dorf, zu dessen anderen Vereinen, zur Kirche und zum täglichen Leben der Vereinsmitglieder und der Dorfbevölkerung, in den Mittelpunkt des Vereinslebens gestellt worden ist. Schon in diesen ersten Stunden des Vereins war seinen Gründern klar, dass in Rehringhausen ein Verein niemals ohne die anderen Vereine und ohne die Unterstützung sämtlicher Bewohner und Institutionen des Dorfes existieren und überleben kann, wie er selbst auch notwendigerweise zur Förderung und Unterstützung der anderen Vereine und des Dorfes insgesamt beitragen muss. Auch heute, immerhin fast 60 Jahre später, hat diese erste Definition des Vereinszweckes über die Stellung und die Aufgaben des Vereins im Dorf selbst – unabhängig von späteren sprachlichen Änderungen und Ergänzungen - nichts an ihrer Richtigkeit, Aktualität und fundamentalen Bedeutung für das Vereins- und Zusammenleben im Dorf eingebüßt.

In dieser Versammlung am 27. August 1950 wurde in Anbetracht der Verdienste um das Zustandekommen des Vereins, Werner Wylach einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Außerdem wurde der Vorstand noch ergänzt. Als zweiter Vorsitzender wurde Karl Kubiak und als zusätzliche Beisitzer wurden der Kapellmeister Adolf Ohm und der Bürgermeister Philipp Brüggemann gewählt.

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