Die 50er

Nachdem in feierlicher Prozession die Gläubigen den Friedhof erreicht hatten, leitete der Bläserchor die Feier mit dem Liede: "Wie sie so sanft ruhen" ein. Nach einem Chor des Männergesangvereines sprach der Herr Pfarrer die üblichen Gebete und hielt dann eine Predigt. Den Abschluss der Feier bildete: "Harre meine Seele", vorgetragen vom Bläserchor. An diesem Tag trat erstmalig der Bläserchor öffentlich auf und fand starke Beachtung und eine gute Kritik".

Aus dem ersten Jahresbericht ist zu entnehmen, dass der Verein 53 Mitglieder zählte und dass die Kapelle in den fünf Monaten ihres Bestehens drei Auftritte hatte. In der nachfolgenden Zeit übte die Kapelle fleißig weiter. Unter der fachkundigen Leitung des Kapellmeisters Ohm waren auch gute Fortschritte zu verzeichnen.

Dass auch damals schon trotz aller Ernsthaftigkeit des Bemühens um Verbesserung der musikalischen Qualität teilweise Ausgelassenheit und Frohsinn im Verein und im Dorfe beheimatet waren und dass damals wie heute zeitweilig die Jugend im Dorfe auf Grund ausgelassener Stimmung und purer Lebensfreude zu spontanen „Sonderauftritten" neigte, zeigte u.a. der Veilchendienstag im Jahre 1951 bzw. die Nacht zum Aschermittwoch am 7. Februar 1951. Hierzu heißt es in den Niederschriften zu einer Vorstandssitzung vom 11. Februar 1951 wörtlich wie folgt: "Erster Punkt der Tagesordnung war Stellungnahme zu dem nächtlichen Trommeln am 7. Februar 1951 (also am Aschermittwoch). Seitens des Bläserchores war der Dorfjugend zu den Fastnachtsveranstaltungen die kleine und große Trommel zur Verfügung gestellt worden und zwar unter dem besonderen Hinweis, diese nicht zur nächtlichen Stunde auf der Straße zu benutzen. Dieser Hinweis wurde wie auch in anderen Fällen nicht beachtet. (...) Alle Vorstandsmitglieder waren sich über die Ungehörigkeit der nächtlichen Ruhestörung einig und vertraten den Standpunkt, dass die Instrumente für den in § 2 der Satzung angegebenen Zweck dem Bläserchore übergeben seien. Sie missbilligten darum dieses Vorkommnis und beschlossen einstimmig, um eine Wiederholung zu vermeiden, dass für die Veranstaltungen der Dorfjugend am Ostersonntag die beiden Trommeln nicht benutzt werden dürfen".

Nachdem die Kapelle im Jahre 1951 – noch ohne Ausstattung mit Uniformen – anlässlich einer Einladung von Herrn Pastor Hesse in Jakobsberg an der dortigen Prozession teilnahm, wurden im Jahre 1953 die ersten Uniformen des Vereins beschafft. Um die allgemeine wirtschaftliche Lage der damaligen Zeit hier noch einmal festzuhalten und den Idealismus und die Opferbereitschaft der Aktiven aufzuzeigen, sei hierzu das Protokoll zitiert: "Die finanziellen Mittel des Vereins reichen für die Beschaffung der Uniformen nicht aus. Zu jedem Uniformrock gibt der Verein 10,00 DM. Die aktiven Mitglieder verpflichten sich, 75,00 DM innerhalb eines Jahres selbst zu zahlen und außerdem eine schwarze Hose zu stellen. Zur Erleichterung der Finanzierung ist eine Kleiderkasse eingerichtet, in die schon jetzt angespartes Geld eingezahlt werden kann. Der Verein verpflichtet sich, je nach Kassenlage, die vorgelegten Beträge an die einzelnen Musiker zurückzuzahlen". Die Rückzahlung ist dann in den nächsten Jahren erfolgt.

Da die Leistungen der Kapelle gute Fortschritte machten, trat der Verein im Laufe der nächsten Jahre auch außerhalb des Ortes auf. So der erste Auftritt vor auswärtigem Publikum beim 30-jährigen Stiftungsfest des Musikvereins Rahrbach im Jahre 1954. Dort führte die Kapelle im Gesamtchor der Gastvereine das von Beethoven komponierte Stück "Die Himmel rühmen" und als Einzeldarbietungen die Ouvertüre "Mignonette" und die "Grundelpolka" auf.

Im Jahre 1959 wurde der Name des Vereins in "Musikverein Rehringhausen" geändert. Der aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand versetzte Lehrer Ostermann, der lange Jahre als Schriftführer tätig war, verließ im gleichen Jahre Rehringhausen. Lehrer Ostermann war einer der Mitbegründer des Vereins. Er hat viel, besonders in den Anfangsjahren, für den Verein getan. In einer besonderen Feierstunde wurde er verabschiedet und in Anbetracht seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt.

In den nachfolgenden Jahren trat die Kapelle bei den verschiedensten Anlässen auf, sei es bei Prozessionen, bei Waldfesten, Ständchen und stellte zudem auch bei verschiedenen Schützenfesten die Festmusik, erstmals auf dem Schützenfest in Neger im Jahre 1962. Die Auftritte gelangen mit wechselndem Erfolg. Der Eifer, mit dem man begonnen hatte, hatte bei manchem Aktiven zunächst nachgelassen. Die Folge davon war, dass mehrere aktive Musiker aus der Kapelle austraten. Es mussten neue Kräfte gesucht und ausgebildet werden. Bei den Jugendlichen waren oftmals andere Interessen vorhanden. Die sog. "moderne" Musik, Rundfunk und Fernsehen steuerten ihren Teil dazu bei. Die mechanische Apparatemusik machte viele junge Menschen zu träge, selbst Musik zu machen.

Die Nachwuchsfrage besserte sich erst, als die Söhne von aktiven Musikern alt genug wurden, in die Kapelle einzutreten.

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